Installation von Steffen Hauswirth zum Kriegerdenkmal des Bildhauers Karl Seckinger auf dem Friedhofsgelände in Pfinztal-Berghausen
Zur Information finden Sie hier den ursprünglichen künstlerischen Entwurf, der nach mehrmaligem Durchlaufen politischer Gremien in einigen Punkten verändert wurde.
Künstlerische Konzeption
Steffen Hauswirth
März 2007
Historie
Ursprünglich war die von dem Karlsruher Bildhauer Karl Seckinger geschaffene Soldatenfigur Teil eines 1934 auf dem Bahnhofsplatz in Berghausen errichteten Kriegerdenkmals. Das Denkmal bestand neben der Figur aus drei Gedenktafeln mit den Namen von 82 Gefallenen des Ersten Weltkrieges.
Die aktuelle, umkommentierte Platzierung der Soldatenfigur auf dem Friedhof in Berghausen ruft in der Bevölkerung kontroverse Meinungen hervor. Durch Ihre Entstehungsgeschichte und mit ihrer militaristisch-heroischen Darstellung im Stil der NS-Kunst, einen Stahlhelm, Kampfausrüstung und Gewehr tragend, könnte sie derzeit eher kriegsverherrlichend als zum Gedenken mahnend verstanden werden.

Künstlerische Konzeption
Ziel der neuen Installation ist es, die Soldatenfigur in einen historisch korrekten, eindeutigen Kontext zu bringen und im Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege ein Frieden und Demokratie stiftendes Mahnmahl, gegen das Grauen und die Sinnlosigkeit von Kriegen zu schaffen.
Um dies zu erreichen, wurde eine typografiebetonte Lösung, mit einer Gedenk- und einer Hinweistafel gewählt. So können die angestrebten Aussagen und Informationen in Worten unmissverständlich und dennoch künstlerisch ansprechend ausformuliert werden.
Auf eine Lösung ausschließlich mit zusätzlichen Formen und Skulpturen wurde bewusst verzichtet, da diese immer symbolischen Charakter haben und somit nach wie vor Spielraum für Interpretationen lassen würden.

Anlage
Die Grundfläche der Installation bildet ein Halbkreis mit einem Radius von ca. 6 Metern. Der Boden wird in diesem Bereich eingeebnet und mit weißem Zierkies bedeckt. Der Zierkies steht in optimalem Kontrast zum rötlichen Buntsandstein der Figur und zur umliegenden Grünfläche.
Die Soldatenfigur befindet sich in der Mitte des Halbkreises, ca. 3,3 m nach hinten versetzt. Am Rand entlang werden auf beiden Seiten der Figur jeweils zwei Zypressen eingepflanzt. In der Höhe sollen die Zypressen die 3,40 m hohe Soldatenfigur überragen.
Gedenktafel
Links von der Figur wird im ca. 45°-Winkel eine ungefähr 2 x 3 m große Gedenktafel gesetzt. Die Gedenktafel besteht aus einem 50 cm hohen Sockel aus dunklem Material und einer darauf befestigten Glasplatte.
Durch ihre schräge Anordnung bildet die Gedenktafel einen räumlichen Bezug zu der Soldatenfigur und ist zudem schon beim Betreten der Friedhofsbereiches deutlich sichtbar.
Für die Gedenktafel wird sinngemäß folgender Text vorgeschlagen:
NIE WIEDER KRIEG
Im Gedenken an die Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges
Der Erste Weltkrieg (1914-1918) forderte fast 10 Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete. Unter den Verwundeten befanden sich zahlreiche mitunter bis zur Unkenntlichkeit entstellte Invaliden. Unzählige ehemalige Soldaten starben nach dem Ende der Feindseligkeiten an den Folgen von Kriegsverletzungen und mitgebrachten Krankheiten.
Aus Berghausen sind 80 Männer im Krieg gefallen, 8 blieben vermisst, 4 erlagen nach Ende des Krieges ihren Kriegsverletzungen. 35 Männer aus Berghausen gerieten in Kriegsgefangenschaft; einer von ihnen starb dort.
Während des Zweiten Weltkrieges (1933-1945) fanden nach Schätzungen ungefähr 55 bis 60 Millionen Menschen den Tod. Darunter nicht nur Soldaten, sondern auch viele Zivilisten. Die meisten von ihnen - politisch oder rassistisch Verfolgte (Juden, Roma, Sinti und Jenische, Homosexuelle, Behinderte, ?Asoziale?, ?Wehrkraftzersetzer? oder Geistliche) - wurden in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet.
Berghausen hatte am Ende des Zweites Weltkrieges insgesamt 136 gefallene und 76 vermisste Soldaten sowie den Tod von 10 Zivilisten zu beklagen.
Der Tod, das Leid und die Trauer von Millionen Menschen ermahnen uns, den Frieden zu bewahren.
Der Schriftzug ?NIE WIEDER KRIEG? ist in riesigen Großbuchstaben geschrieben und transportiert die Kernaussage der Installation. Die einzelnen Buchstaben des Schriftzuges werden mit den Namen der aus Berghausen in den beiden Weltkriegen Gefallenen so ausgefüllt, dass die Namen bei geringem Abstand zu lesen sind und bei größerem Abstand die Füllung des Schriftzuges bilden. (In der Entwurfsskizze sind die Namen bisher noch nicht enthalten.)
Die Gestaltung des Schriftzuges ist somit die typografische Umsetzung des Schlusssatzes des Gedenktextes. Diese Aussage kann auch im Sinne des Künstlers Karl Seckinger gewertet werden, der eine von ihm für Grötzingen erschaffenen Pieta mit dem Schriftzug ?Die Toten mahnen, haltet Frieden.? versah.
Hinweistafel
Von der Figur rechts nach vorne versetzt wird parallel zum Gehweg eine ca. 0,75 x 1,75 m große Hinweistafel angebracht. Die Hinweistafel besteht aus einem ca. 50 cm hohen Sockel aus dunklem Material und einer darauf befestigten Glasplatte.
Im oberen Drittel der Glasplatte ist eine Fotografie des historischen Kriegerdenkmals auf dem Bahnhofsplatz in Berghausen vorgesehen.
Darunter wird ein erklärender Text angebracht, in dem folgende Fragen geklärt werden könnten:
Anmutung
Durch die reduzierte Bepflanzung und die transparenten Glastafeln ist die Installation insgesamt Licht- und Winddurchflutet gehalten. Die Zypressen und die Tafeln sind dennoch groß genug, um die Mächtigkeit und Dominanz der Soldatenfigur zu relativieren. Durch die Bepflanzung fügt sich die Installation in das Bild des umliegenden Friedhofs ein und steht in keiner Konkurrenz zu den umliegenden Grabstätten.
Durch die plakative und in ihrer Größe unübersehbare Aussage ?Nie wieder Krieg? wird ein deutliches Gegengewicht zu der militaristischen Skulptur geschaffen, das auch bei einem größeren Betrachtungsabstand seine Wirkung nicht verliert. Durch den erklärenden Text der Hinweistafel können die historischen Zusammenhänge verdeutlicht werden. Die Lage am Hang und der Panoramablick im Hintergrund sind in die Konzeption integriert. Der Blick in die Ferne wird bewusst frei gehalten, da er dem Ort zusätzliche Tiefe verleiht. Durch ihre zeitlose, elegante Gestaltung wird die Installation möglichst lange, möglichst viele Betrachter/innen ansprechen.
Es soll ein Ort der Stille, des Gedenkens, der Besinnung und des Friedens geschaffen werden.